Fehler, die junge Anleger gerne machen
Wir haben bereits angesprochen, dass die Fehlermarge für junge Anleger und Anlegerinnen viel grösser sein kann, da der Zeithorizont länger ist. Aber nur, weil es mehr Nachsicht oder Gelegenheit zur Korrektur gibt, heisst das noch lange nicht, dass junge Anleger nicht wachsam sein sollten. Sie können immer noch sehr kostspielige Fehler begehen mit schwerwiegenden Folgen. Im Folgenden haben wir einige der häufigsten Fehler beschrieben, die junge Anleger und Anlegerinnen allzu oft machen.
1. Ratschläge aus den sozialen Medien befolgen
Dies mag paradox klingen, haben wir doch gerade erst von der technisch versierten Generation gesprochen, die sich neue Informationsquellen zunutze macht. Sehen wir uns jedoch namentlich die sozialen Medien an, gibt es unzählige selbsternannte „Experten“, die schlechte Ratschläge geben. Dies können Influencer auf TikTok oder anonyme Kommentatoren in obskuren Reddit-Foren sein. Vielen dieser „Finanzgurus“ geht es einzig und allein darum, ihre Followerzahl zu erhöhen oder ihr Engagement zu steigern. Nur in seltenen Fällen möchten sie ihren Followern tatsächlich helfen. Achten Sie darauf, dass Sie die von Ihnen konsumierten Inhalte sorgfältig überprüfen und sich nur von echten Beratern und Beraterinnen beraten lassen.
Diese Überprüfung wird mühsamer, wenn es sich um neuartige oder beliebte Trends handelt. Oft kommt es zu einer Art Gruppenzwang und einem daraus folgenden Hype, der alles andere als nachhaltig ist. Ist es nicht ironisch, dass Goldanlagen deutlich weniger beliebt sind als NFTs? Doch was glänzt mehr als Gold? Tatsächlich gibt es gewisse Leute, die allen Ernstes versuchen, physisches Gold mit NFTs zu „kombinieren“, um diesen Token einen höheren Eigenwert zu verleihen. Klar mögen konventionelle Weisheiten und Erfahrungen gerade im Hinblick auf neue Trends staubig und langweilig aussehen. Es gibt aber gute Gründe, warum bestimmte Strategien und Investitionen den Test der Zeit bestanden haben.
Gerade die Generation Z sollte mehr als jede andere Generation vor ihr auf der Hut sein, da sie etwa 6,5 Stunden pro Tag auf ihrem Smartphone verbringt. Diese Zeit dient nicht nur der Unterhaltung. Viele von ihnen nutzen soziale Medien oder andere Apps als Lernwerkzeuge. Dabei geht es darum, wie und wann man mit dem Investieren beginnt und was alle Begriffe und Optionen bedeuten.
Eine Umfrage von Investopedia hat ergeben, dass die Gen Z historisch jene Generation ist, die sich am meisten auf Videos verlässt. YouTube ist mit 45% die beliebteste Quelle, gefolgt von Gesprächen mit Freunden und Familie (44%), Internetsuchen (39%), TikTok (30%) und Websites mit Finanzinformationen (29%).
Die beliebtesten Informationsquellen nach Altersgruppen
Quelle: Investopedia
Laut derselben Studie ist fast ein Viertel der Generation Z in Krypto und Aktien investiert, und etwa 10 Prozent von ihnen besitzen NFTs.
Die beliebtesten Geldanlagen nach Altersgruppe
Quelle: Investopedia
Natürlich bietet Technologie viel Gutes und kann die Grenzen verschieben, um neuen Menschen die Teilnahme an der Finanzwelt zu ermöglichen. Allerdings liegt zuweilen nur ein schmaler Grat zwischen Investieren und Spekulieren. Krypto-Investitionen und NFTs fallen in die zweite Kategorie, da sie sich langfristig noch nicht beweisen konnten.
Wir alle haben diesen einen Freund, der auf seine Kryptowährungen schwört. Die Realität ist aber vielmehr, dass der globale Kryptomarkt von den USD 3,2 Billionen im Herbst 2021 bereits auf unter USD 1 Billion gefallen ist. Bitcoin, die grösste und wahrscheinlich bekannteste Kryptowährung, hat im gleichen Zeitraum ebenfalls 70 Prozent an Wert verloren. Dieser massive Rückgang hat die Gewinne mehrerer Jahre in nur wenigen Monaten zunichtegemacht und stellt selbst glühendste Anhänger digitaler Assets auf die Probe.
Das soll nicht heissen, dass volatilere (und attraktivere) Assets wie Kryptowährungen oder Optionen nicht legitim seien. Ganz und gar nicht. Wir brauchen diese neuen Ansätze, um die Grenzen des Möglichen zu erweitern. Was der Generation Z im Vergleich zu anderen Generationen möglicherweise an Einkommenskraft fehlen mag, kann sie aufgrund ihres längeren Zeithorizonts für Investitionen durch ihre Risikobereitschaft bei weitem wettmachen.
Um langfristige Stabilität und vor allem Wohlstand zu erreichen, müssen diese risikoreichen Investitionen mit bewährten „sicheren" Methoden abgesichert werden. Während soziale Medien mit Weisheiten übersät sind, sollten Anleger und Anlegerinnen in den Zwanzigern (und im Prinzip jeden Alters) immer Vorsicht walten lassen.
2. Investieren ohne sorgfältige Prüfung
Gelegenheiten, die zu gut sind, um wahr zu sein, sollten bei Ihnen Alarm auslösen. Jede Anlageform ist mit Risiken verbunden ist. Daher sind angeblich risikolose Anlagen oder absurd hohe Garantien für zukünftige Renditen wichtige Warnsignale.
Am besten können Sie Betrügern und schlechten Anlagen aus dem Weg gehen, indem Sie Ihre eigenen Nachforschungen anstellen. Recherchieren Sie nicht nur den Vermögenswert an sich, sondern auch, ob die benutzte Plattform seriös ist. Rezensionen können hilfreich sein. Achten Sie aber auch auf subtile Warnsignale im Kleingedruckten oder in der blumigen Sprache, die zur Vermarktung dieser Produkte verwendet wird. Extrem hohe Renditen oder überhöhte Kennzahlen sind gute Gründe für Misstrauen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Plattform oder das jeweilige Asset genau unter die Lupe zu nehmen.
3. Die Diversifikation zu unterschätzen
Eines der wichtigsten Konzepte (wenn nicht gar das wichtigste) ist Diversifizierung. Es ist schnell erklärt: Investieren Sie in verschiedene Assets, um Ihr eigenes Risiko zu reduzieren. Wenn beispielsweise der Aktienmarkt im Zuge eines Wirtschaftsabschwungs ins Wanken gerät, bleiben Obligationen relativ stabil. Investieren Sie Ihr Portfolio zu 60% in Aktien und zu 40% in Private Equity, sind Sie einem viel geringeren Risiko ausgesetzt als wenn Sie 100% in Aktien investieren.
Das ist nur ein Beispiel. Natürlich gibt es viele Möglichkeiten der Diversifikation, sei es durch Investitionen in verschiedene Märkte, Anlageklassen, Strategien, Anlagearten, Risiken usw. Auch hier gilt die alte Weisheit, nicht alles auf eine Karte zu setzen.
Im Durchschnitt erwirtschaften gut diversifizierte Portfolios langfristig höhere Renditen. Es ist eine bewährte Methode, die jeder junge Anleger und jede junge Anlegerin anwenden und nie unterschätzen sollte.
4. Gar nicht zu investieren
Der schlimmste Fehler, den ein junger Mensch machen kann, ist überhaupt nicht zu investieren. Wie bereits erwähnt, haben junge Anleger den entscheidenden Zeitvorteil auf ihrer Seite. Zeit ist eine nicht erneuerbare Ressource. Anstatt das Geld für mehr oder weniger Sinnvolles auszugeben, sollten Sie die Chancen nutzen, die sich durch lange Zeithorizonte und Zinseszinsen bieten.
Wir können nicht genug betonen, wie wichtig es ist, möglichst früh mit investieren zu beginnen. Jüngere Menschen fühlen sich durch Studiengebühren, schlecht bezahlte Jobs und der finanziell aufwendigen Familiengründung oft finanziell überfordert. Es mag schwierig sein, stets einen kleinen Teil des eigenen Geldes ins Anlageportfolio zu legen. Wird dies jedoch zur Gewohnheit, wird sich das positiv auf Ihren langfristigen zukünftigen Wohlstand ausüben, auch wenn es in der Gegenwart zu Einschränkungen führt.
Wir haben uns einige der Vorteile des Investierens im jungen Alter angesehen und auch Fehler betrachtet, die es zu vermeiden gilt. Doch welche Investments sollten Sie eigentlich in Betracht ziehen?